"Alle Tage sind lang." Das waren sie in der Tat. Selten traf man ihn überhaupt noch des Tages an. Ob aber wirklich etwas an dem Gerede dran war? Nicht, dass es ihn kümmerte oder Detheroc Dracas auch nur einen Wimpernschlag zögern würde, den toten Vater mit dem Sohn als künftigen Gatten auszutauschen. Sein Haus war nach wie vor nicht dafür bekannt, sehr rücksichtsvoll mit den Emotionen seiner Mitglieder zu sein.
Karthago wusste nicht einmal, wohin er mit diesem Kommentar noch wollte. Das Ganze interessierte ihn nicht. Vielleicht war es der unterschwellige Drang nach Zerstreuung, der sich an allem festklammerte, das sich ihm irgendwie entgegenwarf. Vielleicht auch nur die Angewohnheit, sich das letzte Wort beizubehalten.
Als sie sprach, löste sich sein flatterhaftes Grinsen in ein entspanntes Lächeln. Er mochte ihre Stimme. Ruhig und kontrolliert. Würde sie in einen Wald hineinrufen, wanderte ihr Laut wohl von jedem Echo befreit hindurch. Es löste eine Art von Melancholie in ihm aus. Und da er nun einmal ein höchst sensibles Tier war, war es ebenso einfach ihn ruhig zu stimmen wie ihn aus der Haut fahren zu lassen.
"Und das, obwohl du selbst noch nicht weißt, in welche Richtung du dich wenden wirst."
"Vorsicht, Cousine. Manch einer könnte das als Drohung verstehen", gab er zurück und lief dennoch unbeirrt mit ihr. "Glaubst du denn wirklich, dass der 'rechtmäßige'", äffte er gehässig in die Luft, bevor er fortführte, "damit einhergehend die beste Wahl ist? Ich habe vor, die beste Wahl zu sein. Nicht aber, weil ich zufällig in einen Schoß geboren wurde."
Und dabei konnte man ihnen ihre Abstammung in keinster Weise absprechen. Wo andere adrett und anmutig voranschritten, war jeder Tritt der dunklen Körper ein Vorbote. Selbst wenn ihnen Ruhe innewohnte, lag ein Dracas Gesicht in kalten, harten Zügen und blickte aus lieblosen Augen in die Welt. Und wo ihnen Pferde in die Augenpaare aus Feuer und Eis blickten, lösten sie sich ganz natürlich aus ihrem Weg.
Wie ein ungeschriebenes Gesetz. Wie sollte man nicht hochmütig sein?
"Wie schade," liebkoste er die Worte mit bizarr verzerrter Stimme. "Wir wären solch ein nettes Paar." In der Tat konnte er einen solchen Nachwuchs nicht im Lande Valieras sehen. Auf der Spielwiese mit den anderen Fohlen? Hoffentlich stünde ihr Gott ihnen bei. Er fragte sich, ob sie wohl den Mut hätte, sich gegen eventuelle Wünsche und Pflichten durch ihren Vater aufzulehnen. Auch Artemis war immerhin eine Valkyre gewesen und wohin hatte sie es letztlich verschlagen? Gewiss hatte er nie vorgehabt, sie zu ehelichen. Dennoch wollte er ihr nicht verzeihen, dass sie nicht wenigstens ein wenig um ihn gebettelt hatte. Es hätte ihm den Alltag vielleicht ein wenig erheitert.
Und er brauchte die Erheiterung.
Denn kaum hatten sie den Schauplatz betreten, suchten seine Augen instinktiv. Nach seinen Männern, nach Fehlern in ihren Formationen, möglichen Bestrafungen - und nach ihr.
Und er fand sie nicht.
Dort stand das schwarze Mädchen mit silbernen Augen, dessen Körper frei und unversehrt von Narben war. Dieses dumme Ding. Leonita hieß sie? Er würde jemanden auf sie ansetzen müssen. Einmal hatte man sie mit Nova verwechselt und welch Spaß sich diese Made daraus gemacht hatte. Das Volk war nun einmal dumm. Und wenn man nicht mit Liebe vom Silberlöffel aufwuchs, so leckte man gierig sogar das Messer ab.
Hach, er war wirklich ein sensibles Tier. Wie schnell sich ihm die Laune wieder vermiesen ließ. "Also dann, Schneeflöckchen. Auf das Hause Dracas und deine blinde Loyalität."
Karthago wusste nicht einmal, wohin er mit diesem Kommentar noch wollte. Das Ganze interessierte ihn nicht. Vielleicht war es der unterschwellige Drang nach Zerstreuung, der sich an allem festklammerte, das sich ihm irgendwie entgegenwarf. Vielleicht auch nur die Angewohnheit, sich das letzte Wort beizubehalten.
Als sie sprach, löste sich sein flatterhaftes Grinsen in ein entspanntes Lächeln. Er mochte ihre Stimme. Ruhig und kontrolliert. Würde sie in einen Wald hineinrufen, wanderte ihr Laut wohl von jedem Echo befreit hindurch. Es löste eine Art von Melancholie in ihm aus. Und da er nun einmal ein höchst sensibles Tier war, war es ebenso einfach ihn ruhig zu stimmen wie ihn aus der Haut fahren zu lassen.
"Und das, obwohl du selbst noch nicht weißt, in welche Richtung du dich wenden wirst."
"Vorsicht, Cousine. Manch einer könnte das als Drohung verstehen", gab er zurück und lief dennoch unbeirrt mit ihr. "Glaubst du denn wirklich, dass der 'rechtmäßige'", äffte er gehässig in die Luft, bevor er fortführte, "damit einhergehend die beste Wahl ist? Ich habe vor, die beste Wahl zu sein. Nicht aber, weil ich zufällig in einen Schoß geboren wurde."
Und dabei konnte man ihnen ihre Abstammung in keinster Weise absprechen. Wo andere adrett und anmutig voranschritten, war jeder Tritt der dunklen Körper ein Vorbote. Selbst wenn ihnen Ruhe innewohnte, lag ein Dracas Gesicht in kalten, harten Zügen und blickte aus lieblosen Augen in die Welt. Und wo ihnen Pferde in die Augenpaare aus Feuer und Eis blickten, lösten sie sich ganz natürlich aus ihrem Weg.
Wie ein ungeschriebenes Gesetz. Wie sollte man nicht hochmütig sein?
"Wie schade," liebkoste er die Worte mit bizarr verzerrter Stimme. "Wir wären solch ein nettes Paar." In der Tat konnte er einen solchen Nachwuchs nicht im Lande Valieras sehen. Auf der Spielwiese mit den anderen Fohlen? Hoffentlich stünde ihr Gott ihnen bei. Er fragte sich, ob sie wohl den Mut hätte, sich gegen eventuelle Wünsche und Pflichten durch ihren Vater aufzulehnen. Auch Artemis war immerhin eine Valkyre gewesen und wohin hatte sie es letztlich verschlagen? Gewiss hatte er nie vorgehabt, sie zu ehelichen. Dennoch wollte er ihr nicht verzeihen, dass sie nicht wenigstens ein wenig um ihn gebettelt hatte. Es hätte ihm den Alltag vielleicht ein wenig erheitert.
Und er brauchte die Erheiterung.
Denn kaum hatten sie den Schauplatz betreten, suchten seine Augen instinktiv. Nach seinen Männern, nach Fehlern in ihren Formationen, möglichen Bestrafungen - und nach ihr.
Und er fand sie nicht.
Dort stand das schwarze Mädchen mit silbernen Augen, dessen Körper frei und unversehrt von Narben war. Dieses dumme Ding. Leonita hieß sie? Er würde jemanden auf sie ansetzen müssen. Einmal hatte man sie mit Nova verwechselt und welch Spaß sich diese Made daraus gemacht hatte. Das Volk war nun einmal dumm. Und wenn man nicht mit Liebe vom Silberlöffel aufwuchs, so leckte man gierig sogar das Messer ab.
Hach, er war wirklich ein sensibles Tier. Wie schnell sich ihm die Laune wieder vermiesen ließ. "Also dann, Schneeflöckchen. Auf das Hause Dracas und deine blinde Loyalität."



